Leben im Pyramidenhaus... ENTREE 2004

zu Besuch bei Erich Hauser

Zu Besuch bei Erich Hauser
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Das Singener Galeristenehepaar Ita und Jörg Büge hatten mich gewarnt: "Du wirst erschlagen sein von den Eindrücken, die dich dort erwarten. Es ist ein Erlebnis der besonderen Art - mit nichts zu vergleichen. Du weißt, Prof. Hauser ist nicht einfach, aber ihr zwei werdet euch schon verstehen." Ich machte mich also auf nach Rottweil um das Pyramidenhaus zu besuchen und harrte der Dinge, die ich dort antreffen würde. Als ich das Tor zum Areal des Bildhauers Erich Hauser öffnete, blieb ich wie vom Blitz getroffen stehen und mir entwischte ein: Wouwww!!!!


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Da standen sie: ca. 100 große, futuristische blankpolierte, Edelstahlplastiken auf einem 40.000 qm großen Areal und funkelten im Sonnenlicht um die Wette. Es war strahlend blauer Himmel und keine einzige Wolke zu sehen. Die Plastiken brachen und reflektierten die Sonnenstrahlen zu einem einmaligen Lichtspiel. Ein gigantischer Anblick, dem ich mich nicht entziehen konnte.


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Im Skulpturenpark stehen Arbeiten aus den 60er Jahren bis zum heutigen Zeitpunkt. Sie dokumentieren die Stationen der künstler-ischen Entwicklung Erich Hausers. Ihr Wert wird auf über 30 Millionen Euro geschätzt. Mein Blick wanderte weiter und fiel auf das Pyramidenhaus. Die Farbe der Glasscheiben ging nahtlos in das Blau des Himmels über. Die Türe der Wohnpyramide ging auf und seine Haushälterin begrüßte mich herzlich. Sie teilte mir mit, ich sollte nicht erschrecken, Prof. Hauser sitze im Rollstuhl und ich möge mich noch eine Stunde gedulden. Die Sonne stand günstig zum Fotografieren, so nutzte ich die Zeit und begab mich auf eine schier endlose Motivsuche.


Essecke mit einer Arbeit von Gerhard Breilinger
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Blick auf die Arbeit von Fred Thieler
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Nach einer Stunde traf ich den Bildhauer Erich Hauser. Ich machte mich auf einen nicht einfachen Zeitgenossen gefasst, aber es begrüßte mich ein netter älterer Herr. Ich begegnete einem nicht angepassten, geistreichen, humorvollen und gastfreundlichen Menschen, der mir viele interessante Anekdoten aus seinem Leben erzählte.


Altes Wohnhaus aus Stahl, Beton, Kunststoff und Aluminium
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Wir saßen im gegenüberliegenden ehemaligen Wohnhaus, in dem sich die große Kunstsammlung zeitgenössischer Kunst befindet. Am Tisch Platz genommen, blickte man gleich auf die Arbeit des Künstlers Emil Schumacher (1973), der auch zu seinen engsten Freunden zählte.

Skulpturenpark
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Was veranlasst einen so rationell denkenden Künstler wie Erich Hauser ein Pyramidenhaus zu bauen? Erich Hauser hatte massive Schlafstörungen und irrte nachts nervös umher. Künstlerkollege Ugo Dossi, der mit Hilfe von Hypnose Bilder aus dem Unbewussten zutage förderte, sich also mit irrationalen Phänomenen beschäftigte, gab ihm den Rat ein Pyramidenbett zu bauen. Ein Versuch war es allemal wert. Erich Hauser baute ein großes Doppelbett in Form einer Pyramide. Aus Platzgründen musste das Bett in der Werkstatt aufgestellt werden. Nachts musste er mit seiner Frau immer die Werkstatt aufsuchen, was natürlich sehr ungemütlich war. Aber bereits in der ersten Nacht schlief er seelig wie ein Lamm.


Der untererdige Gang führt direkt ins Pyramidenhaus.
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Es entstand der Plan, direkt neben dem Wohnhaus eine kleine separate Schlafpyramide zu errichten. Man zog in Erwägung aus Gründen der Bequemlichkeit noch ein Badezimmer, vielleicht auch eine Küche einzuplanen.

Tisch mit Blick auf Emil Schumacher.
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Das Bauvorhaben wurde größer und größer bis die Grundfläche schließlich eine Größe von 13,5 auf 13,5 Meter aufwies. Heute ermöglicht die "Rottweiler" Cheops-Pyramide Lebensqualität und garantiert eine gesunde Nachtruhe. Es sind drei Räume. In der ersten Etage liegt das Büro, in der zweiten das Wohnzimmer und die Küche. Das Schlafzimmer befindet sich auf der Höhe des "Goldenen Schnittes". Ganz oben ist ein kleiner Schreibtisch, an dem Erich Hauser früher immer gezeichnet hat, aber aus gesundheitlichen Gründen kann er die schmale Treppe nicht mehr passieren.

Essecke mit Treppe im Pyramidenhaus.
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Das Pyramidenhaus ist im Gegensatz zum alten Wohnhaus (Beton, Aluminium, Stahl und Kunststoff) nur aus Glas und heimischen Hölzern gebaut. Prof. Hauser hat über 15 Jahre mit Pyramiden experimentiert. Da er leidenschaftlicher Koch ist, hat er all seine Kräuter, Gewürze und Speisen unter sie gelegt. Das Obst und Gemüse halten länger und die Zutaten schmecken besser. Seit 10 Jahren lebt er nun in seiner Pyramide. Er fühlt sich dort nach wie vor wohl, konnte aber folgendes Phänomen beobachten: Gewisse Menschen halten es in der Pyramide nicht aus , andere erleben es als sehr positiv. Ich fand es sehr angenehm in den Räumlichkeiten.


"Meine Sitzgruppe im Pyramidenhaus lebt.
Das Naturleder kennt Schweiß aber auch Rotwein und einiges mehr."

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Wir plaudern noch weiter und er erzählt mir von seiner großen Kunstsammlung. Sie umfasst über 300 Exponate. Mit drei Viertel der Künstler war er befreundet. Viele Arbeiten hat er erworben, als die Künstler noch am Anfang ihrer Karriere standen. Heute sind einige der Werke bis zu 400.000 Euro wert. Unter ihnen sind Namen wie: Bram Bogart, Peter Brüning, Adolf Fleischmann, Kurt Frank, Dieter Krieg, Lothar Quinte, Arnulf Rainer. Die Sammlung befindet sich im alten Wohnhaus, wo sich auch die Gästezimmer befinden. Das Wohnhaus ist mit einem untererdigen Gang, der als Galerie dient, mit dem Pyramidenhaus verbunden. Die Kunstwerke sind noch alle im Besitz von Erich Hauser, während einige seiner Plastiken der Hauser Kunststiftung gehören. "Der Rest wird erledigt, wenn ich tot bin. Das gesamte Areal wird zu einem Museum umgewandelt. Die Stiftung muss sich selbst finanzieren. Wenn sie dies nicht mehr kann, bekommt alles die Stadt Rottweil. Falls die Stadt es ablehnen sollte, kann alles zusammenbrechen, aber das interessiert mich dann nicht mehr."

Erich Hauser
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Erich Hauser gehört zu den bedeutendsten Bildhauern der deutschen Nachkriegskunst. 15.12.30 in Rietheim geboren, 1945 Lehre als Stahlgraveur in Tuttlingen, gleichzeitig Unterricht in Zeichnen und Modellieren bei Pater Ansgar im Kloster Beuron. Viele internationale Kunstpreise, Verdienstkreuz. 1970 Übersiedlung nach Rottweil in die Saline und Ehrenbürger der Stadt. Seine Plastiken stehen in vielen Städten in Deutschland, u.a. in Singen am Hohentwiel.

Von April bis September ist freie Parköffnung mit Führungen jeweils am letzten Sonntag im Monat. Tel. 0741 159-94.
Weitere Info´s unter: www.kunststiftunghauser.de

In eigener Sache: Professor Erich Hauser ist in der Nacht zum 29 März 2004 verstorben. Ich schätze mich glücklich mit Professor Erich Hauser eine letzte Reportage in meinem Magazin veröffentlicht zu haben. Es waren wundervolle fünf Stunden mit Ihm die ich nicht vergessen werde. Beate Nash

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