Mit diesem Haus ging ein Herzenswunsch in Erfüllung


Altes Gutshaus mit herrlicher Parkanlage

Fährt man den Hügel in Markdorf hoch hinauf kommt man in den idyllisch gelegenen Ortsteil Fitzenweiler. Dort liegt sie mit all ihrem Charme, die Villa, das Gutshaus der Familie Scheffknecht. Schon die Einfahrt mit dem hübschen schmiedeeisernen Tor und der kleinen Allee, stimmt den Besucher neugierig was ihn Prachtvolles erwartet. Angekommen am herrlichen Portaleingang wird man gleich fröhlich von Barney, einem Golden Retriever, begrüßt. Barney wedelt nicht nur mit seinem Schwanz, sondern schenkt mir auch ein witziges Grinsen. Das "Frauchen", Waltraut Schneffknecht, kommt auch gleich und wir betreten das imposante Gebäude.

Helmut Scheffknecht, Manager einer großen Verpackungsfirma, liebäugelte schon viele Jahre mit dem schön gelegenen Anwesen aus den 20er Jahren. Die Familie hatte die Villa bei einem Spaziergang in Markdorf entdeckt und sich trotz ihrem damaligen schlimmen Zustand in sie verliebt. Aber es sollten noch einige Jahre vergehen bis es zum Kauf diese Objektes kam. Der Erbauer, des Gutshauses war ein Major Lessing. Seine in New York lebende Tochter, kam nach der Sanierung zu Besuch und war begeistert von dem neuen Erscheinungsbild ihres Elternhauses. Die ältere Dame fühlte sich an ihre glückliche Kindheit erinnert.

Durch das Entfernen der Decke entstand eine Wohnhalle. Als Parkett wurde geräucherte Eiche eingesetzt. Vorhänge aus Seide von Jim Thompson. Sofa und Sideboard von Promemoria und Vintage-Ohrensessel.

An der Wand ein Fotoarbeit von Michael Wesly, Sessel mit Rubelli-Seidenvelours,
Ledersofa und Poufs sind Maßdesigns des Promemoria-Chefs Romeo Sozzi.


Zwei Jahre dauerte der Umbau, ausgeführt von der Freundin der Hausherrin einer Architektin aus Österreicher, Antonella Rupp. Das Gebäude war durch seine Bewohner und die Zeit schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Fassade war stark beschädigt und überwuchert. Statt dem jetzigen herrlichen Portals, gab es eine überdimensionierte Garage, die wie ein Geschwür an dem Haus wirkte. Hinzu kam noch, das ein Hallenbad an den alten Mauern angebaut war. Die Fenster waren versetzt und Proportionen verschoben. Die Nutzung der tausend Quadratmeter Wohnfläche war oft verändert worden. Ein Flickwerk ohne Konzept. Mit viel Sensibilität und Liebe zum Detail wurde die Villa wieder zum Leben erweckt.

Waltraut Schneffknecht hatte genaue Vorstellungen über die Gestaltung der großen Außenanlage. Für sie kam nur, stilecht, ein Park in Frage. Mit dem Landschaftsgärtner aus Lindau, Wolfgang Seethaler, hatte sie den idealen Partner gefunden. Dem Landschaftsgärtner Seethaler war bewusst, dass ihm im Laufe seines Berufslebens wahrscheinlich kein vergleichbarer Park mehr mit einem so genialen Potenzial begegnen wird. Die Zusammenarbeit mit der Familie Schneffknecht war sehr fruchtbar und die klare und zielgenaue geschmackliche Vorgabe der Bauherrin, konnte sehr gut übernommen werden. Die große Freiheit des Gärtners in der Auswahl der Pflanzen und der Umsetzung waren die beste Basis für einen Weg zu einem guten Ergebnis.

Für die Nähe des Gebäudes wurden Pflanzen wie Buchs und Kirschlorbeer ausgesucht, die schnittgeeignet geeignet sind. Mit Schere und Augenmaß lassen sich so architektonische Elemente erzeugen, die mit der Formensprache und Proportion des Bauwerkes korrespondieren. Wie Ringe ziehen sich gestalterische Linien durch den Garten und je weiter man sich vom Bauwerk entfernt, desto freier und malerischer wird die Art der Bepflanzung.

Der Umbau und die grundlegende Sanierung des Hauses bedeutete für den parkartigen Garten zunächst eine starke Beanspruchung durch Baumaschinen. Veränderungen des Geländes waren erforderlich, da die Erschließung und Zufahrt zur Villa nicht sehr glücklich gelöst war und auch nicht mehr heutigen Anforderungen entsprach. Der angrenzende Wald war vom höchsten Teil des Geländes so weit ans Haus herangewachsen, dass zunächst Bäume entfernt werden mussten, die die neue Zufahrt behindert und beschattet hätten. Nachdem diese erste Rodungsaktion abgeschlossen war, fielen bei einem orkanartigen Sturm weitere Bäume. Somit wurde der obere Gartenteil eigentlich größer und heller als ursprünglich vorgesehen. Bei der Neupflanzung erwies sich dieser Umstand jedoch als Vorteil. Dem angrenzenden hohen Wald konnte nun eine entsprechende Anzahl neuer, sich vom gewöhnlichen Wald abhebende Gewächse angepflanzt werden.

Auf dem Garagendach wurde ein herrlicher Duft- und Kräutergarten angelegt.

Im oberen Parkareal ergaben sich weitere Schwierigkeiten. Dort existieren wasserführende Tonschichten, die einige Pflanzen nicht vertragen. Dies schränkte die Gehölzauswahl nochmals ein. Der Schwerpunkt bei der Gehölzauswahl wurde auf sich gut vom Umfeld abhebende Laubformen und –farben gelegt, die sich im Herbst durch spektakuläre Färbung der Blätter noch steigert. Es wurde bis zum Haus hin eine großzügige Zufahrt bis vor zum Säulenportal neu angelegt mit einem kreisrunden Platz vor dem Gutshaus. Aus diesem Kreis heraus führt der Weg zum neu angebauten Garagentrakt mit Vorplatz.

Das gesamte Grundstück hat Hanglage in dessen Zentrum das längliche Villengebäude eingebettet ist. Die Zufahrtseite ist die Rückfront der Anlage. Die nach Süden ausgerichteten Räume und Terrassen bieten einen schier endlosen Blick auf den westlichen Bodensee und die gegenüberliegende Schweiz. Es dürfte sich um einen der legendärsten Ausblicke auf den Bodensee handeln.

Der Park zeigt sich im Herbst mit seiner Farbenpracht von der schönsten Seite.

Von den Sonnenterrassen weg fällt das Gelände weiter in diversen Ebenen. Diese Ebenen wurden bei der Umgestaltung des Gartens herausgearbeitet, ohne vorhandenen und erhaltenswerten Baumbestand zu vernichten. Somit wurde die Begehbarkeit und letztlich die Nutzbarkeit größerer Areale möglich. Zuvor war es in großen Teilen eine fließende und wenig aussagekräftige Hügel- oder Hanglandschaft. Das gesamte Anwesen strahlt eine enorme Gesamtharmonie aus. Die Weite und die großen, gepflegten Rasenflächen schmeicheln dem Bauwerk, die Großbäume bilden einen Rahmen oder einen Zusammenhalt in großer Dimension, ohne einzuengen. Auf Wunsch der Hausherrin wurde auf bestimmte Farben Wert gelegt. Sehr viele weißblühende Blumen und Gehölze stechen ins Auge, wie ganze "Seen" von weißen Hortensien, auch Gelb- und Goldtöne liefern Fernwirkung und vor dem Hintergrund großer Bäume oder immergrüner Wände - starke Hell- Dunkelkontraste.

Firma Bergmann aus Uhldingen konzipierte den Swimmingpool so, daß sich der Schwimmer schwebend dem Bodensee nähert.

Die Gartenareale

Zufahrt und Hofbereich sind mit einer seitlichen Allee von Kugelkatalpas und Rosenhochstämmen bepflanzt. Der Parkteil mit Anschluss an den Wald im oberen Teil, wo sich die Zufahrt befindet wurden interessante Blütensträucher und Solitärgehölze verwendet, die alle reichlich Platz zur Entwicklung haben. Ein besonderer Blickfang ist ein Hain mit Edelbirken. Blühende Zonen wurden entlang der Einfahrt und im hausnahen Bereich angesiedelt z.B. Rosenhochstämme, großzügige Hortensien- und Staudenflächen bieten entlang der Zufahrt und vor dem Hauseingang zu allen Zeiten Blühgeschehen. Es wurden keine Blüher gewählt, die gestützt oder häufig geschnitten und ausgeputzt werden müssen, weil der Unterhalt der Anlage ohnehin aufgrund der Gesamtfläche einen hohen Pflegeeinsatz erfordert.

In unmittelbarer Nähe zum Haus und insbesondere um die Südterrassen herum sind überwiegend Pflanzungen mit mächtigen, formalen und immergrüne Elemente. So wurde zu einer bereits bestehenden Buchshecke eine weitere neue und sehr breite Buchsanlage vorgelagert, so dass das mächtige Haus nun wie von einer grünen Treppe umlagert wird. Beim sehr modernen Schwimmbadbereich wurde bewusst auf eine konkurrierende Bepflanzung verzichtet. Bei dem Garagenbau und beim frei im Gelände liegende Schwimmbad-Korpus gilt alles Augenmerk der Lebendigkeit des Natursteins, der sich konsequent über alle Außenflächen des Neubaus zieht. Auf dem Garagengebäude befindet sich der unkonventionelle Kräutergarten. Blühende Hänge im Sonnenteil. Frauenmantel und blauer Storchschnabel bringen wochenlange Blütenfülle und verhindern mühevolles Mähen an steilen Böschungen.

Besondere Bäume und Gehölze: Amberbaum pyramidal wachsender Laubbaum mit atemberaubender Herbstfärbung. Tulpenbaum großblättriger, sommerblühender Baum, der sich im Herbst goldgelb färbt. Zaubernuß, Winterblüher. Fächerahorne in diversen Sorten bringen Farbe ins Spiel. Ein riesiger Eisenschirm bewachsen mit Blauregen spendet Schatten am Liegeplatz beim Pool. Calocedrus ein immergrüner, pyramidaler Baum, der Mammutbäumen gleicht.

Text/Fotos: Beate Nash

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