Eine Form für viele Ansprüche


Für ENTREE-Leserinnen und Leser ist Bottighofen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon zwei Projekte aus der Gemeinde fanden die Beachtung der Redaktion. In der Ausgabe 2005 wurde das mediterran anmutende Haus, das der ortsansässige Architekt Jean Claude Mahler für seine Schwiegereltern gebaut hatte, vorgestellt. Ein Jahr später das Betonhaus des St. Galler Architekten Beat Consoni mit dem für ein Wohnhaus ungewöhnlichen Sheddach.



Über einen Wettbewerb machte sich die Gemeindeverwaltung des 2000-Einwohner-Dorfes zwischen Kreuzlingen und Scherzingen an die Arbeit zur baulichen Nutzung des Geländes. Das Konstanzer Büro Bäuerle-Lüttin ging hier als Gewinner hervor und erhielt anschließend auch den Auftrag für die Ausarbeitung des Gestaltungsplanes. Hierin legten die Planer exakte Vorgaben bezüglich der Dachform und der Formensprache fest, an die sich die Architekten bei der Realisierung der einzelnen Bauabschnitte halten mussten. „Dies geschah aus Gründen der Qualitätssicherung“, beschreibt Architekt Frohwin Lüttin die einheitlichen Kriterien, die bei den Ketten- und Reihenhäuser Anwendung fanden.



Werner Bäuerle und Frohwin Lüttin selbst kümmerten sich um die Ausgestaltung der sieben Winkelhäuser, die in süd-östlicher Richtung das Baugebiet zur freien Fläche mit landwirtschaftlicher Nutzung hin abschließen und die sich auch hierhin mit ihren Gartenflächen orientieren.. Für alle Häuser, egal ob Single-Haushalt oder 4-köpfige Familie, die Grundfläche des Hauses und die Größe war stets identisch. Was für die die Architekten schließlich zur Herausforderung wurde, war hieraus unterschiedliche Grundformen, von großzügig bis kleinräumig, für die verschiedenen Ansprüche zu schaffen.

Zur Verfügung stand immer ein 525 qm großes Grundstück mit einem 2-geschossigen Haupthaus der Grundfläche 6x15 Meter, sowie ein eingeschossiger Winkelanbau, 8,5x5 Meter messend, mit Dachterrasse. Ausgeführt wurden die Bauten in Mauerwerk und Stahlbeton mit Vollwärmeschutz und Fenstern in Alu, Holz oder der Kombination beider Werkstoffe. Die farbliche Gestaltung der Fassade teilen sich dunkle und helle Grautöne. Für die Pultdächer wurde überwiegend widerstandsfähiges Titanzinkblech verwendet, aber auch die klassische Ziegeldeckung ist im Baugebiet zu finden. Gasheizungen und Kamine sorgen für Wärme. Dort, wo Poolanlagen eingebaut wurden, kommen Heizanlagen mit Holzpellets zum Einsatz, wie es in der Schweiz mittlerweile vorgeschrieben ist. Alternativ dazu wäre noch die Nutzung von Erdwärme gewesen.



Für die Reportage haben wir uns für eine großzügige Variante des Winkelhauses entschieden. „Typisch Single-Haushalt“ eben, mit viel Platz und luftiger Höhe im Wohnraum zur Galerie mit Sitzlandschaft und Trainingsgerät. Die Küche wurde kombiniert mit einer kleinen Lounge für den Hausherrn. Gleich daneben geht’s einen Raum weiter in die verglaste Sauna mit Blick vorbei am privaten Bambuswäldchen in die freie Landschaft. Ein bisschen Luxus darf eben auch in der Reihenhaus-Siedlung sein.

Mehrere Architekten waren an der Realisierung der einzelnen Parzellen beteiligt, die jeweils eigenständige Lösungen gefunden haben. Auffallend sind auch die vier Reihenhäuser aus Sichtbeton mit einer eleganten Linienführung von Architekt Jean Claude Mahler. Er habe das Prinzip der Planung verstanden, lobt Lüttin seinen Kollegen, der zur Straße hin noch einen kleinen, halb-privaten Raum gleich neben der Küche geschaffen hat. Sehr gelungen ist auch die Abtrennung des Gartens mit Hilfe schwarzer Lochblenden, die je nach Sichtwinkel mehr oder weniger Einblicke gewähren.

TEXT/FOTOS: PETER ALLGAIER

Architekten Bäuerle + Lüttin, Konstanz
Tel. 07531-20157

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