Stadt – Land – Haus


Der Traum vom Haus am Meer ging für Sabrina Fischer nicht ganz in Erfüllung. Statt des Wassers direkt am Haus gab es im Ravensburger Ortsteil Albersfeld aber immerhin ein „grünes Meer“ in Form einer großen Wiesenfläche vor dem Waldrand. Und statt Fische sind es jetzt eben Rehe, die sich bei Morgendämmerung in Blickweite tummeln. Das Wohnen im neuen Domizil hat für die Familie von Klinikarzt Dr. Gerhard Fischer, Frau Sabrina und Tochter Anouk eine ganz einfache Orientierung bekommen: Alle Blicke richten sich zur Terrasse, einem lauschigen Platz am Übergang des eigenen Grundstücks zur offenen Landschaft. Bäume mit Äpfeln und Nüssen wurden auf dem Grundstück erhalten und fassen die Freifläche wie mit einer Klammer ein. Sie bieten Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, lassen aber dennoch den Blick hinaus in die Natur zu.



Zur Nachbarschaft hin zeigt sich das Gebäude in massiver Betonbauweise bis ins Erdgeschoss und einer Holzkonstruktion für das Obergeschoss aber weitestgehend verschlossen. Die in erdig hellem Braun gehaltenen Außenmauern sind teilweise oder ganz ohne Fenster, nur seitlich über der Eingangstür wird das Elternschlafzimmer belichtet. Das vermittelt auf den ersten Blick ein Bild des kompletten Rückzugs in die eigenen vier Wände. Dieser Eindruck wird beim Betreten des Hauses aber sofort revidiert und erlischt spätestens beim Anblick der Terrasse endgültig: Das Haus empfängt die Besucher in einer hellen, freundlichen und luftigen Atmosphäre.



Die offene und großzügige Gestaltung des Einfamilienhauses in einer modernen Formensprache und eine deutlich spürbare Innen-Außen-Beziehung, das waren die Kernaussagen, welche die Familie bei der Planung ihrem Architekten mit auf den Weg gegeben hatten. So war schon einmal festgeschrieben, dass es im Erdgeschoss zwischen Wohnen, Essen und Kochen keine trennenden Wände geben sollte. Für eine räumliche Unterteilung sorgt lediglich ein Kubus mit dem eingebauten Kamin, der einen kleinen privaten Bereich schafft.



Mit der Gestaltung der Küche wurde ein befreundeter Schreiner beauftragt, der eine glatte, grifflose Front in Weiß realisierte. Im Kontrast dazu steht der Arbeitsblock aus dunklem Wengenholz, das zum Schutz matt lackiert ist. Diese edle Kombination lässt die Küche optisch gar nicht als Arbeitsstätte in Erscheinung treten. Das dunkle Holz der Wenge führt die Besucher auch auf der Treppe in die obere Etage.



Die Farbe Weiß spielt bei der Gestaltung des Hauses eine tragende Rolle. Alle Innenwände sind in Weiß gehalten, die luftigen Vorhänge an den raumhohen Fensterfronten und ebenso ein kleiner Ausschnitt der Fassade mit dem Eingangsbereich. Hier hat der Architekt noch einmal das Schneidemesser an der Rohform angesetzt und mit einem in die ebene Fläche geschnittenen, zurückspringenden Winkel ein interessantes Detail gestaltet.



Auch ein Blick zum Boden in der unteren Etage lohnt sich. Die etwas an groben Naturstein erinnernde Struktur ist durch eine hellgraue Zementspachtelmasse entstanden, die auf den Estrich aufgetragen, glatt geschliffen und mit Klarlack abgedeckt wurde. Darunter versieht eine Fußbodenheizung, die ihre Energie aus einem Luft-Wärme-Tauscher bezieht, ihre Arbeit zur kühlen Jahreszeit.



Der handwerkliche Bezug des Architekten zur Praxis ist an zahlreichen baulichen Details des Hauses abzulesen. Marco Gauer-Nachbaur arbeitet jetzt seit gut sechs Jahren mit Andreas Nonnenbroich im Büro in Grünkraut bei Ravensburg zusammen. Über die bauliche Realisierung eines gewonnenen Wettbewerbes für ein Pflegeheim in Graz und mehrere Arbeiten in Vorarlberg hat sich der Bekanntheitsgrad des Büro jetzt auch in der Heimatregion erhöht und zu interessanten Neu- und Umbauprojekten geführt.



Text/Fotos: Peter Allgaier
www.n-gn.de

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