Paul und Paula



Sein Talent blieb dem Lehrer nicht verborgen und wurde gefördert. Zuerst waren es freie Skizzen, später kamen Portraits der damaligen Stars dazu. Auch sein Großvater beobachtete mit großem Gefallen das künstlerische Talent seines Enkels und brachte ihm die ersten Begriffe des Zeichens bei. Geschäftstüchtig wie Wolfgang schon als Jugendlicher war, besserte er sein Taschengeld damit auf, gemalte Portraits der Stars aus der BRAVO zu verkaufen. Die Arbeiten fanden reißenden Absatz bei den Mitschülern. Um seine Technik noch zu verbessern, absolvierte er mit 16 Jahren ein Fernstudium der Graphik und Malerei. Schnell kristallisierte sich seine Leidenschaft für die Portraitmalerei heraus. Unterstützung erhielt er später auch von seiner Ehefrau Cornelia, die ihm unzählige Male Modell stand.



Seine Arbeiten beschäftigen sich fast immer mit dem Figürlichen: der Mensch steht im Mittelpunkt. So vielschichtig wie der Mensch ist, so vielseitig sind Wolfgang Fleischers künstlerischen Interpretationen. Vordergründig geht es ihm nicht darum, in jedes Bild etwas hineinzuinterpretieren.



Das größte Wandbild des Künstlers Wolfgang Fleischer ist in der Ausstellungshalle Oldtimerwerkstatt Barhofer im Singener Industriegebiet zu bewundern. Es misst 36 auf 6 Meter. Durch das gigantische Bild entsteht der Eindruck, dass die Autos in einer Landschaft oder in der Innenstadt von Konstanz stehen würden.



Im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens von Wolfgang Fleischer steht das Bild des Menschen, ausgedrückt in figürlichen Kompositionen und Portraits. Seine Bilder zeigen keine herkömmlichen Portraits im klassischen Sinne, sondern liefern vielmehr Interpretationen des Gesehenen, wobei die Aspekte von Emotionalität und innerer Empfindung den Schwerpunkt der Darstellungen bilden. Die gezeigten Personen, Figuren und Gestalten sind nicht in der realen Umgebung ihrer Alltagswelt dargestellt, sondern herausgelöst aus dem Alltäglichen. Sie begegnen uns im unbestimmten, gleichsam neutralen Raum. Hinter der äußeren Oberfläche des Gezeigten erspürt der Betrachter eine weitere, tiefer gehende Bedeutungsebene, die etwas Unsichtbares erahnen lässt, so als wolle der Künstler das nicht Fassbare optisch greifbar machen. Zur bildgestalterischen Visualisierung dieser Momente nutzt Fleischer das Stilmittel der Schichtungen, Überblendungen und Übermalungen. Es scheint, als würden sich mehrere Realitätsebenen überlagern und miteinander verzahnen und daraus etwas Neues entstehen, das den Blick des Betrachters herausfordert. Das vielfach angewandte Ausdrucksmittel der Übermalungen ermöglicht Fleischer ein spannungsreiches Wechselspiel zwischen Figur und Ornament, zwischen Gesichtern und dekorativen Musterstrukturen. Bei der Umsetzung seiner Bildvorstellungen ergänzt die verwendete Acrylfarbe die Spuren der Zeichnung mit Kohlestift. Ebenso greift der Maler zu ungewöhnlichen Formaten und Bildmaterialien wie beispielsweise vorgefundene Zeltbahnen, deren Eigenheiten und Besonderheiten ihn inspirieren und die er in seine Arbeiten integriert.



Seine aktuellen Arbeiten entstanden aus einem Abfallprodukt. Seine Frau entdeckte per Zufall in einer Mülltonne ausrangierte Sonnenschirme der Brauerei Paulaner. Die alten Sonnenschirme mit dem Brauerei-Logo weckten sofort seine Leidenschaft und eine neue Idee für eine Serie war geboren: Paul und Paula. Das Abfallprodukt wurde aufgezogen und als Leinwand für eine Arbeiten benutzt. Es entstanden witzige dekorative Bilder, die noch bis Ende April im Restaurant Zapa in Bohlingen bei Singen zu sehen sind.



Text: Beate Nash
Bilder: Beate Nash/ Fleischer
www.wf-kunst.de

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