Moderne Idylle im Bauernhaus



Christoph Surbeck ist Demeter-Landwirt mit Obstanbau und Wanderimker mit rund 80 Bienenvölkern. Klar, dass er aus diesem Grund ganz besonders auf die ökologischen Aspekte bei seiner Arbeit und in seiner Umgebung achtet. Selbstverständlich war für ihn daher auch, die Ökologie in sein Bauprojekt zu integrieren. „Da will ich doch kein zusammengeklebtes Zeug in meinem Haus haben“, beschreibt er zur Auswahl der ausschließlich natürlichen Baustoffe, die in seinem Haus zum Einsatz gekommen sind.



Die rücksichtsvolle und behutsame Art, wie sich Peter Dransfeld an das nicht einfach zu realisierende Projekt herangetastet hatte, war für die Familie Surbeck eigentlich das entscheidende Kriterium für die Wahl des Architekten aus Ermatingen.



Von Abriss und Neubau bis zur Erweiterung habe man alle Optionen durchgespielt und sich schließlich für den Erhalt mit Um- und Ausbau zu vier nahezu gleichwertigen Wohnungen in Größen von 140 bis 160 qm entschieden. Den endgültigen Durchbruch brachte Dransfelds Idee, den ehemaligen Wohnteil des Bauernhauses zu teilen und ihn zwei separaten Wohnungen zuzuordnen.



Die erste urkundliche Erwähnung datiert den Ursprung des Hofs ins Jahr 1784. Wie es eben bei Bauernhäusern üblich war, wurden im Laufe der Jahrzehnte Teile entfernt, umgebaut und angebaut. Kein Wunder also, dass auch der Denkmalschutz an dem Objekt interessiert war. Die Öffnung des Hauses mit großen Fensterflächen nach Süden, für heutige Wohnansprüche nicht mehr wegzudenken, wurde ebenso akzeptiert, wie der vier Meter breite Anbau an der Westseite.



Diesen Anbau bewohnen Lis und Christoph Surbeck selbst. In Kombination mit dem Altbau ergeben sich Außen wie Innen reizvolle Kontraste. Was an alter Bausubstanz erhaltenswert war, wurde auch erhalten, so zwei Holzfenster in der Stube, die nur frisch verkittet sind. Wie früher schaffen hier eingehängte Vorfenster im Winter die notwendige Wärmedämmung. Bewusst geschaffene Niveauunterschiede zwischen Alt- und Neubau bieten im neuen Hausteil angenehm höhere Räume.



Schmuckstück und Mittelpunkt der Küche ist der wuchtige, massive Holzherd. Wer einmal auf einem solchen Herd gekocht hat, der weiß die Vorteile der großen Stahlplatte mit den unterschiedlichen Wärmezonen zu schätzen. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass in die Stahlplatte ein Cerankochfeld mit zwei Platten integriert ist.



Mit Blick auf die Ofenbank aus sechs Zentimeter starkem Sedruner Speckstein schwärmt
der Biobauer von Herbst und Winter und dem angenehmen Gefühl, sich nach getaner Arbeit auf dem „Chouschtli“ am Kochherd aufwärmen zu lassen. Dieses Ofen-Meisterwerk kommt als Spezialanfertigung von Burkart + Sohn in Kreuzlingen.



Licht, Luft und großzügige Offenheit zeigt der unterm Dach. Im Raum mit sichtbarem Dachgebälk hat Lis Surbeck ihren Webstuhl aufgestellt. Die gelernte Handweberin fertigt künstlerische Dekorationen ebenso wie Gebrauchsgegenstände nach eigenen Entwürfen in ihrer Werkstatt. Sogar aus selbst angebautem und versponnenem Flachs. Dieser Raum gibt auch den luftigen Rahmen für kleine Hauskonzerte ab.



Bei aller Tradition im und ums Haus kommt die Moderne beim Objekt nicht zu kurz. Auf dem Dach erzeugen je 35 Quadratmeter Solar- und Fotovoltaikfläche Warmwasser und Strom für den Eigenverbrauch. Das Warmwasser wird in einem Tank mit 8.500 Liter aufbewahrt. Das reiche im Winter für zwei Tage, erläutert Christoph Surbeck und zeigt daneben auf die Holzheizung mit zwei großen Stapeln Feuerholz, die als Zusatzheizung das Haus versorgt.



In den Wohnungen versehen Fußbodenheizungen ihren Dienst, in den Räumen mit den alten Holzböden verlaufen die Heizschlangen in den Wänden. Jede Wohnung hat für den individuellen Wärmebedarf zusätzlich einen eigenen Holzofen.



Die exzellente Wärmedämmung des Hauses in Verbindung mit dem Energiekonzept ergebe ein Gebäude mit allen Merkmalen eines Minergiehauses, beschreibt Peter Dransfeld das Resultat des gelungenen Umbaus.

Text/ Fotos: Peter Allgaier
Architekt Peter Dransfeld
www.dransfeld.ch

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