Der Outdoor Painter



Von der Schreibmaschine zur Staffelei – der Maler und Autodidakt Guido Frick

Rund 30 Jahre arbeitete er als Journalist, bevor er sich ab Ende der 90er Jahre ganz der Malerei widmete. Besonders mit seinen Stillleben und Bodenseelandschaften hat er sich einen Namen gemacht: Guido Frick. Seit 1976 bereist er regelmäßig die USA und pendelt zwischen der großen Welt dort und der kleinen rund um Konstanz und Sonterswil, wo er seit 1996 sein Atelier hat.



Zweifelsohne ist er eine schillernde Persönlichkeit, der ehemalige Journalist und Redakteur aus Konstanz. Und das liegt nicht allein an seiner Leidenschaft für Sonnenbrillen, deren Sammlung über die Jahre kontinuierlich angewachsen ist, und seinem ausgeprägten Faible für Indianeraccessoires, vor allem Perlen- und Silberschmuck. Schon bald nach seinem Volontariat und ersten Berufsjahren bei der Schwäbischen Zeitung in Leutkirch wechselte Frick als Sportjournalist zu den Stuttgarter Nachrichten nach Ulm. Im Sommer 1974 – in Deutschland wurde gerade die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen – stieß er inkognito in einem Hiltruper Hotel unverhofft auf nacktbadende holländische Spieler, unter ihnen Superstar Johan Cruyff und ein paar Mädels. Prompt berichtete er über den Skandal – mit bekanntem Ausgang. Cruyff spielte angeblich weit unter seiner Bestform, Deutschland gewann das Endspiel. Verdankte sich der Titel am Ende der indirekten Mitwirkung von Guido Frick?



Bis 1980 war er Lokalredakteur beim Südkurier in Konstanz, bevor er noch im gleichen Jahr die „Konstanzer Rundschau“ übernahm, die einmal wöchentlich erschien. Schnell entwickelte sich deren Rubrik „Guidos Stadtgeflüster“ zu einer ebenso beliebten wie gefürchteten Kolumne. Regelmäßig nahm er darin mit spitzer Feder Konstanzer Lokalpolitiker und Honoratioren sowie Medienkollegen aufs Korn. Daneben arbeitete er bis 1993 sechs Jahre beim Seefunkradio Bodensee mit, bevor er, inzwischen Chefredakteur und Geschäftsführer der „Rundschau“, 1997 deren Niedergang erlebte.



Daraufhin tauschte Guido Frick seine Schreibinstrumente komplett gegen Staffelei und Pinsel ein. Seine völlige Hinwendung zur Malerei hatte sich schon länger angedeutet. Sein schwerer Autounfall im November 1974 gab dafür den Ausschlag, und bereits Mitte der 80er Jahre, noch während seiner journalistischen Kernzeit also, begann Guido Frick, regelmäßig die USA zu bereisen, um sich in seiner Malerei weiterzuwickeln.



Überdies faszinierten ihn das weite Land und die indianische Kultur. Heute malt er wie selbstverständlich jeden Tag in Öl. Aber das war nicht immer so. „Es ist ein wahnsinnig langer und mühsamer Weg gewesen. Meine Erfahrung und Kenntnisse in der Malerei musste ich mir über Jahre hart erarbeiten. Oft habe ich Momente erlebt, in denen ich meine Pinsel am liebsten in den Ofen geschmissen hätte“, resümiert Frick.



Aus einer anfänglich losen Verbindung zu Leinwand und Öl entwickelt sich, ausgelöst durch den Unfall mit einer rund zwei Jahre dauernden Rekonvaleszenz, eine kontinuierlich anwachsende, immer enger werdende Beziehung zum Malen. Beim tschechischen Professor und Maler Karel Hodr schreibt er sich 1976 in dessen „Konstanzer Kunstmaler-Akademie“ ein – und pendelt beständig zwischen journalistischem Brotberuf und künstlerischer Selbstverwirklichung. Nach vier Jahren verlässt er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Hodr die Schule. Seine Suche nach einem neuen Lehrer führt ihn 1983 in den USA zur ukrainischen Malerkoryphäe Sergei Bongart und dessen „School of Art“ in Santa Monica, Kalifornien. „Sergei Bongart hat mir die Augen geöffnet. Er hat mich Sehen gelehrt“, hebt Frick hervor. Diese Zeit bei Bongart erlebt er als sehr intensiv – und leider viel zu kurz: Sein Lehrer verstirbt 1985.



Sein Vermächtnis besteht im Handeln seines Schülers fort. Wie Bongart, so gibt auch Guido Frick, der seit 2000 eigene Workshops ausrichtet, einige typische Merkmale aus Bongarts Unterricht an seine eigenen Schüler weiter. Zum Beispiel in der Festlegung der stets gleichen Farben und ihrer Anordnung auf der Palette. Oder im besonderen Augenmerk auf die drei fundamentalen Farbkriterien „color – temperature – value“.



Wie Bongart orientiert sich Frick auf der Farbskala am mittleren Tonwert (middle key). Zunächst wird die Leinwand vorgetönt, am liebsten verwendet er dafür ein Graublau. Dann legt er großzügig die Vorzeichnung an, indem er die groben Umrisse einzeichnet. Eine Landschaft etwa teilt er in drei bis fünf große Flächen auf (abstrakte Phase), bevor er sie weiter moduliert und schließlich definiert. Im Prozess der Anschauung einer realen, räumlichen Landschaft und ihrer Übertragung auf eine flächige Leinwand stellt sich der Maler wesentlichen Fragen. Welche Farben sind welcher Farbfamilie zuzuordnen (color)? Wo befinden sich im Bild die wärmsten und kältesten Farben (temperature)? Wo liegen die hellsten und dunkelsten Töne (value)?



Parallel dazu vollzieht sich der Farbauftrag in drei praktischen Schritten. Auf das Abstrahieren folgt das Modulieren: der Maler arbeitet Licht und Schatten heraus und verstärkt den tendenziellen Eindruck, er verleiht der Landschaft Volumen und gibt dem Raum Tiefe. Definieren schließlich meint Fortführung und Verfeinerung der angelegten Komposition.



Entscheidend während des ganzen Malprozesses ist: die Farbe baut das Bild auf – nicht die Form. Auch die Formen entstehen allein durch Farbe. „Wenn ich an irgendeiner Stelle während des Malens an Gegenstände denke, bin ich verloren. Es gibt keine Formel dafür, wie man einen Kastanienbaum oder einen Apfel malt. Wenn ich die Kriterien richtig anwende, kommt die Form durch die Farbe zustande“, unterstreicht Frick. Oder wie es einst Sergei Bongart formulierte: „Wir malen keine Objekte. Wir malen Passagen.“ („Passagen“ meint „Übergänge“, Anm. der Redaktion, zitiert nach Guido Frick).



Was in der Theorie relativ einfach klingt, erfordert sehr viel Selbstdisziplin, Geduld und Beharrlichkeit in der praktischen Umsetzung. Seine Schüler wissen darum nur allzu gut und leidlich. „Während des Malens verausgaben Sie sich zweidreiviertel Stunden lang nicht, bloß nicht! Sie brauchen noch Power für die letzte Viertelstunde, damit Ihnen beim Finishing nicht die Luft ausgeht. Sie explodieren förmlich erst am Schluss“, erklärt der Maler mit dem Indianerschmuck freundlich. Spielend leicht sieht es aus, wenn Frick während einer seiner gut besuchten Demonstrationen in South Dakota, Nebraska, Texas, Wyoming oder Sonterswil in der für ihn typischen Haltung den Pinsel über die Leinwand wie ein Fechter den Degen schwingt – schwer nachzuahmen für das ungeübte Auge und die unwissende Hand.



Fricks gegenständlich anmutende Stillleben und Landschaften um den See und aus den USA sind nur scheinbar gegenständlich. Malen heißt für ihn, malen, was er zugleich sieht und empfindet. Der Gegenstand selbst tritt zugunsten der Stimmung, der ebenso angeschauten wie gefühlten Emotion, zurück. Mit seinen Ausführungen sieht sich Guido Frick als „Outdoor Painter“ durchaus in einer vertretbaren Nachfolge der Schule von Barbizon und der auf sie folgenden Impressionisten. Sein Bekenntnis zur klassischen Pleinairmalerei ist eindeutig. „Ich male draußen in der Natur. Ich will raus, im Atelier fühle ich mich eingesperrt“, sagt Frick. Niemals würde er nach einer Fotografie malen, welch Sakrileg! „Die Natur beeinflusst sehr stark das Ergebnis, weil sie die eigene Stimmung beeinflusst. Die vorüberziehenden Wolken, wie die Vögel zwitschern, welche Gerüche Natur verströmt. Das nehme ich als Mensch alles wahr, und das fließt automatisch in die Pinselführung und die Farben mit hinein.“

Text/Fotos: Joachim Schwitzler
www.guidofrick.com

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