Genuss auf drei Ebenen



Neubau statt Sanierung – Ruhepol mit bester Aussicht auf den Überlinger See

Die Stadt Überlingen ist ein beliebter Ort, um den See und die ihn umgebende Natur zu genießen. Der Baugrund wird daher immer knapper und es gehört schon Glück dazu, ein Grundstück in der äußerst begehrten Höhenlage zu bekommen. Eine Familie aus dem Großraum Stuttgart hatte insofern eine Art Heimvorteil, da sie schon seit einigen Jahren über ein Ferienhaus in dieser exponierten Lage oberhalb des Ortszentrums verfügte.



Dieses Haus aus den 60er-Jahren diente zur Vermietung an Gäste und Touristen, aber auch zur Selbstnutzung für jeweils ein paar Wochen im Jahr. Als nun nach einem langen Berufsleben der Ruhestand als neue Lebensphase aktuell wurde, reifte der Entschluss, auf Dauer an den See zu ziehen. Man überlegte zunächst, das vorhandene Gebäude den heutigen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend zu sanieren und umzubauen, dieses Vorhaben wurde jedoch wegen der schlechten, nicht erhaltenswerten Substanz und des damit verbundenen hohen Kostenaufwandes verworfen.



Der Kontakt zum ortsansässigen Architekten Gerhard Metzger war nach Sichtung von dessen Internetpräsenz und Besichtigung der von ihm bereits fertiggestellten Bauten schnell hergestellt; im Büro Metzger fand die Familie einen geeigneten Partner. Die Planung zur Bebauung des 1.700 m² großen Areals sah als Auftrag Folgendes vor: Die Sichtachse sollte natürlich klar zum See hin zeigen, aber das nach Norden gelegene Stück hinter dem Haus, das an ein Landschaftsschutzgebiet angrenzt, nicht vernachlässigt werden.



Entstehen sollte ein Einfamilienhaus mit einer Einliegerwohnung im Gartengeschoss, das aber prinzipiell in ein Haus mit drei getrennten, unabhängig nutzbaren Ebenen umfunktioniert werden kann. Die Einliegerwohnung verfügt heute über 70 m² Wohnfläche, die beiden Geschosse darüber über 140 m² und 100 m² – wobei die Möglichkeit einer anderen Aufteilung, so Gerhard Metzger, jederzeit ohne großen zusätzlichen Bauaufwand vorhanden sei: „Ein Haus muss so flexibel sein, dass es jederzeit den geänderten Anforderungen der Bewohner angepasst werden kann.“ Die Bauvorschriften verboten in diesem Wohngebiet ein Flachdach, weshalb ein Pultdach aufgesetzt wurde.



Nachdem das alte Gebäude abgerissen worden war, ging man im Frühjahr zügig an die Errichtung des Neubaus, der knapp ein Jahr später bezugsfertig war. Gebaut wurde von regionalen Betrieben in konventioneller Ziegelbauweise, wobei die Geschossdecken in Beton mit kontrollierter Be- und Entlüftung ausgeführt wurden.



Die Architektursprache zeichnet sich durch klare Linien aus, die durch eine zurückhaltend farbige Gestaltung einzelner Fassadenelemente sowie die Anordnung der Fensterflächen noch verstärkt werden. Auf der zum Überlinger See hin orientierten Hausseite sorgen raumhohe Fensterflächen (Holz-Alu / Glasschiebetüren) für Licht und Sicht. Durch die Bauvorsprünge und vorgelagerten Terrassen, die zudem mit Metalljalousien versehen sind, ist eine ausreichende Beschattung und ein angenehmes Wohnklima auch bei starker Sonneneinstrahlung jederzeit gegeben. Technisch ist das Haus durch die Installation einer Brennwert-Gastherme und Solaranlage für Warmwasser und den Betrieb der Fußbodenheizung sowie einer Zisterne, die das Regenwasser auffängt, auf dem neuesten Stand.



Nachdem auf einem vorhandenen Fundament, auf dem früher vermutlich einmal ein kleines Gartenhäuschen stand, im hinteren Teil des Gartens ein neuer, lauschiger Sitzplatz mit Wasserbecken entstanden ist, steht entspannten Mußestunden nichts mehr im Wege.



Text: Jürgen Hildebrandt 

Fotos: Wolfgang Scheide (3); m67 (René Lamb)
www.m67-architekten.de

Weitere Projekte der M67-Architekten sehen Sie in den ENTREE-Ausgaben 8./2011 und 12./2015.

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