Wie ein großes Naturwohnzimmer



Das Restaurant Umami Sushi & Grill in Konstanz ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich

Erfrischend anders und vor allem außergewöhnlich ist dieses Restaurant mitten in der Konstanzer Altstadt. Es ist modern, ohne kalt zu wirken. Es ist gemütlich und spricht alle Sinne an – bewusst und unbewusst. Mit dem Restaurant Umami Sushi & Grill wurde gekonnt ein stimmiges Gesamtkonzept umgesetzt. Markenzeichen sind Individualität, Handarbeit und Natürlichkeit: vom Interieur bis hin zu den Speisen und Getränken.



„Im Prinzip ist es ein hippes Lokal mit einer klaren Ausrichtung, das mit ungewöhnlichen Dingen und einer unkonventionellen Speisekarte für Aufmerksamkeit sorgt“, charakterisiert die Interieurdesignerin Andrea Riegel von a2r:media. Der wesentliche Charakterzug des Umami liegt auf dem Handgemachten. „Das ist die rote Linie, die sich hier komplett durchzieht: Handgemachte Cortenstahlplatten an den Decken, handgefertigte Lampen und Speisekarten bis hin zu den von Hand zubereiteten Sushi.“



Eine wesentliche Rolle spielt aber auch die Natur: Natürliche Frischeprodukte, die den Gästen Gaumenfreuden bereiten, bis hin zu Bildern, bestehend aus lebenden Pflanzen, und einem in einen Tisch integrierten Lichtbaum im Restaurant. „Es ist wie ein großes Naturwohnzimmer“, stellt Inhaber Satish Kumar fest. Und das Restaurant ist nicht nur genauso geworden, wie er es sich gewünscht hat. „Es hat meine Vorstellungen komplett übertroffen“, sagt Kumar, der nur „Designer und Schreiner, die Lust und Leidenschaft haben, Neues zu kreieren“ engagiert hatte.




„Es ist ein Gesamtkonzept, das es so nirgendwo gibt“, so Satish Kumar. Individualität, Einzigartigkeit in jeder Hinsicht, das war sein Ziel, das nach einjähriger Planung und einer Rekordumbauzeit von vier Wochen erreicht wurde. Das Lokal, das einen denkmalgeschützten mittelalterlichen Bereich sowie einen modernen Anbau beinhaltet, hat Satish Kumar gar nicht gefallen, als er es übernommen hatte. „Es war wie ein Glashaus. Viel zu kühl“, erinnert er sich und fügt an: „Ich wollte eine Verbindung zwischen dem mittelalterlichen Nebenraum und dem modernen vorderen Teil schaffen und die Natur in den Raum bringen.“



Drei Elemente kennzeichnen die Innenarchitektur: Holz, Metall und Beton. Dabei handelt es sich eigentlich um absolut gängige Materialien, die derzeit beim Gastronomiedesign im Trend liegen. Und doch ist es im Umami anders, denn: „Alles hat vorher ein Leben gehabt“, erzählt Inhaber Kumar. Kurz gesagt: Eigentlich handelt es sich um bereits gebrauchte Materialien, die ein raffiniertes Recycling erfahren haben. Und genau hier liegt das Besondere: Durch die künstlerische Bearbeitung der altbewährten Baumaterialien entsteht ein neuer Look, der mehr Vintage als Retro ist. Beispiele hierfür sind die oxidierten Deckenplatten und Stahlrohre, die der Leitungsführung dienen oder Wandpaneele, die die Anmutung von über Jahre verwittertem Beton haben.



Bereits ein Blick an die Decke lohnt. Sie ist mit asymmetrisch angeordneten Holzfaserplatten in Cortenstahloptik verkleidet. „Das ist ein Material, das modern und gleichzeitig gemütlich wirkt, den Look von Gebrauchtem und eine eigene Geschichte hat“, beschreibt Andrea Riegel. Statt kalter Spots in der Decke hängen jetzt ganz verschiedene Lampen und Leuchten in unterschiedlichen Höhen. „Das haben wir ganz bewusst so geplant, denn Gleichmäßigkeit wäre kalt und steril. So werden die unterschiedlichen Bereiche im Raum noch gezielter hervorgehoben“, erläutert die Interieurdesignerin.



Bei den Lampen handelt es sich ausschließlich um Unikate. Ein Beispiel für Designqualität und raffiniertes Recyc-ling sind die in alte Flaschen montierten Glühbirnen, die von einem schmalen Rohr herabhängen. Die Idee hatte übrigens Satish Kumar selbst. „Eine halbe Nacht haben der Elektriker und ich die Stromleitung durch das alte Rohr gezogen“, schmunzelt er. Zwei Tische weiter hängt ein mächtiger hölzerner Lampenhalter, der bei den Betrachtern für Irritation sorgen kann. Der Grund: „Eigentlich handelt es sich dabei um eine alte Türzarge, die wir lediglich einer neuen Funktion zugeführt haben“, wie Kumar darlegt. Diese alte Türzarge habe er in einem Haus in Berlin gefunden. Sie wäre eigentlich auf dem Müll gelandet. Doch der Umami-Inhaber hat ihren Wert erkannt und sie einem neuen Leben zugeführt. Dass trotz Vintage-Look moderne Materialien zum Einsatz kommen, sieht man nicht zuletzt an den „Glühbirnen“, die nur der Fachmann als LED-Leuchtmittel erkennt.



Der absolute Eyecatcher ist auf jeden Fall der Lampenbaum im Eingangsbereich. Mitten aus einem hohen, kreuzförmig geschreinerten Tisch scheint eine Birke zu wachsen. Von dem Baum hängen wiederum moderne Glühbirnen. „Ursprünglich war das ein grüner Baum, doch mangels natürlichen Lichts konnte er nicht leben“, schildert Satish Kumar. Auch der Tisch, zusammengesetzt aus alten Hölzern, ist ein nach seinen Vorstellungen kreiertes Recyclingkunstwerk. Die erhöhte Sitzposition ist die ideale Lösung, um direkt am Eingang gemütlich zu sitzen. „Das ist ein Ort der Kommunikation. Hier sitzen die Gäste fast im Kreis und können sich ungezwungen kennenlernen“, so Kumar.



„Insgesamt wurden in dem Lokal unterschiedliche Zonen geschaffen, damit jeder ganz nach seinem Geschmack Platz finden kann“, erläutert Andrea Riegel. Diese Bereiche wurden mittels unterschiedlicher Tischhöhen, aber auch durch Deckenkonstruktion und verschiedene Lampenarten erwirkt. Offensichtlicher ist die Unterteilung der gemütlichen Bereiche im Nebenraum. Der Boden des mittelalterlichen Altbestands liegt tiefer. Mit alten Bauholzdielen wurde das Hauptlokal im Neubau optisch verlängert und ein ebenerdiger Zugang in den Nebenraum geschaffen. Er wirkt wie ein Holzsteg, denn links und rechts steigt man ein wenig hinab in die gemütlichen Sitzbereiche. Dieser Steg ist innenarchitektonisch absolut raffiniert. „Er verlängert den Raum, gleicht die unterschiedlichen Höhenniveaus aus und dient zugleich als Raumteiler“, stellt Andrea Riegel fest. Die mittelalterliche Bausubstanz, wie beispielsweise das Rund des Treppenaufgangs aus dem 14. Jahrhundert, wurde ideal in das Interieur eingebunden. An ihr schwingt sich in gleichem Bogen eine Sitzbank mitsamt Tisch.



Auch das Sinnesorgan Ohr wird im Umami verwöhnt. „Audiovisuelle Eindrücke nehmen wir unbewusst wahr. Sie fallen uns eigentlich nur auf, wenn sie unangenehm sind“, erläutert Andrea Riegel. Das Umami mit angenehmer Hintergrundmusik zu erfüllen, war eine anspruchsvolle Aufgabe. Das Problem: „Wir haben hier zwei von Funktion und Größe höchst unterschiedliche Räume. Der vordere Teil ist von der Geräuschkulisse her lauter, weil sich dort Theke und Eingang befinden“, beschreibt Andrea Riegel die Ausgangssituation. Der Nebenraum hingegen ist wesentlich kleiner und per se ruhiger. „Wir haben bei der technischen Umsetzung hohen Wert auf Qualität und Funktion gelegt, um in beiden Räumen einen homogenen Klang zu ermöglichen“, so Riegel. Eingesetzt werden kleine Koaxiallautsprecher des deutschen Herstellers Seeburg Acoustic Line, die in der Gastronomie bisher eher selten zu finden sind. Die Anzahl und Positionierung der Lautsprecher ist wesentlich für einen homogenen Klang. Je mehr direkt abstrahlende Lautsprecher eingesetzt werden, desto höher ist der Direktschallanteil und dadurch steigt die Verständlichkeit von Sprache und Musik, was vor allem bei niedrigen Lautstärkepegeln und den vielen Nebengeräuschen, die man im Restaurant hat, extrem wichtig ist. Der Sound wird aber erst rund durch die dezenten Tieftonlautsprecher, die weitgehend unsichtbar im Mobiliar installiert werden konnten.



Auf diese Weise werden im Umami tatsächlich alle Sinne verwöhnt. Das stimmige Gesamtkonzept, bei dem wirklich jedes Detail bis hin zur Speisekarte durchdacht und perfekt umgesetzt wurde, kommt bei Gästen sehr gut an. Diese harmonische Individualität von Innenarchitektur mitsamt gastronomischem Angebot gibt es eben nur einmal: Nicht umsonst heißt es deshalb in Konstanz: Umami – hier kommen Individualisten auf ihren Geschmack.




Text: Aurelia Scherrer
Fotos: Aurelia Scherrer; Peter Allgaier

www.umami-konstanz.de
www.a-2-r.de

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