Blick aufs Wesentliche



Viel Licht und hohe Wohnqualität prägen den Neubau am Untersee

Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Eigenheim zu errichten, der sollte immer auch die Wohnumgebung im Auge behalten. Benachbarte Gebäude können die eigene Sicht einschränken und nehmen Einfluss auf die ganz persönlichen Möglichkeiten. In Wangen auf der Höri hat sich die Bauherrschaft daher von Anfang an das Obergeschoss des Mehrfamilienhauses für sich gewünscht, denn dort profitiert man von der herrlichen Lage im besonderem Maße. Der Blick vom Balkon und der großen Fensterfront des Wohnbereiches ermöglicht den Blick auf den Untersee und seine malerische Landschaft.



Zur hausnahen Erfrischung diente viele Jahre ein ausgemusterter Käsekessel, den Christa Steinkeller bei einem Trödler erstanden hatte. Zum Sitzen im kühlen Nass in Ordnung, doch für größere Bewegungen war der schwere Kupferkessel einfach nicht geeignet. Auch die Aufenthaltsqualität in seiner Umgebung lud nicht spontan zum Bade ein. So standen sie und ihre Familie vor der Entscheidung, sich entweder ein neues Familiendomizil zu suchen oder eben eine umfassende Neugestaltung dieses Gartenteils in Angriff zu nehmen. Sieht man das Ensemble Haus (Baujahr 1812), Garten und Schwimmteich heute nach der Umgestaltung, liegt der Schluss nahe: eine weise Entscheidung.



Bauherren müssen gleich in mehrerer Hinsicht haushalten: Mal abgesehen von dem zur Verfügung stehenden Budget, gilt es immer, das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten zu machen. Für die Bauherrschaft, die in Wangen auf der Höri schon lange ein Baugrundstück in ihrem Besitz hatte, stand im Mittelpunkt, möglichst viel Wohnfläche zu generieren und gleichzeitig kein Haus von der Stange zu errichten. Zusammen mit den auserwählten Architekten wurde darauf geachtet, ökologische Baustoffe zu verwenden und viel Licht in die Wohnräume zu bringen. Vater, Tochter und Schwiegersohn haben in vielen Besprechungen mit den Architekten zusammen an ihrem Wunschhaus gearbeitet. Herausgekommen ist ein Wohnhaus, das genau das verkörpert, was sie sich erhofft hatten. Insgesamt sind drei Wohneinheiten mit 136, 125 und 40 Quadratmetern Wohnfläche realisiert worden, die aufgrund der verschiedenen Zuschnitte und Größen ganz unterschiedliche Nutzungen zulassen. In der kleinsten Wohneinheit zum Beispiel könnte zu einem späteren Zeitpunkt Pflegepersonal untergebracht werden. Um alle Wohnungen barrierefrei zu erschließen, wurde ein Liftschacht vorgesehen, der alle Ebenen anbindet.




Doch das ist zunächst noch Zukunftsmusik. Ganz real und aktuell sind drei Wohneinheiten, die perfekt auf die Umgebung abgestimmt sind. Herzstück ist das Dachgeschoss, das sich über die gesamte Fläche des Gebäudes erstreckt und von den besonderen Gegebenheiten profitiert. Auffälligstes Merkmal ist zunächst die Deckenhöhe, die sich über den gesamten Flur- und Wohnbereich erstreckt. Bis zu 4,20 Meter Höhe reicht der Blick unter die Holzakustikdecke, die für eine angenehme Raumakustik sorgt. Dazu trägt auch der gewählte Bodenbelag bei. Der Fußboden ist mit unbehandelten Weißtannendielen ausgelegt, wie man sie aus dem Vorarlberger Raum kennt. Beide tragen darüber hinaus zu einem warmen Wohnklima in den Räumlichkeiten bei. Als Ergänzung zu den Holzflächen wurden die Wände in einem schlichten Weißton gehalten.



Dank mehrerer Dachflächenfenster und den großen Fensterflächen an der Ost-, Süd- und Westseite des Wohnhauses gelangt viel Tages- und Sonnenlicht in die Wohnräume. „Vor allem die großen Fensterfronten ermöglichen einen unverstellten Blick in die schöne Umgebung“, erklärt Architekt Hans Thoma das Konzept. Glanzstücke der Wohnung sind der große Wohn- und Essbereich sowie die sich hier direkt anschließende Dachterrasse. Beide nutzen die natürlichen Gegebenheiten des Standortes optimal aus. Dafür sorgen die großen Fensterfronten, die sich rahmenlos bis zum Fußboden erstrecken. Auf der Westseite ist es dem beauftragten Statiker Thomas Relling gelungen, die gesamte Gebäudebreite in Glas auszuführen. Lediglich zwei filigran und unauffällig gehaltene Metallsäulen stützen das Dach hier ab. Über großzügige Übereckverglasungen gelangt noch mehr Licht in die Innenräume. Um auch die Morgensonne genießen zu können, verfügt die Dachwohnung zudem noch über einen kleinen, aber höchst effektiven Wintergarten auf der Ostseite. Hier sorgen zwei Sitzsäcke in bunten Farben für das genussvolle Lesen der Morgenzeitung. Auch dieser Raum nutzt die gesamte zur Verfügung stehende Raumhöhe.



Bei dem Gebäude handelt es sich um die moderne Variante eines Holzhauses. Nachdem der Betonsockel samt Keller und Garagen in Betonfertigteilsystem estellt worden ist, wurde in nur wenigen Tagen der gesamte restliche Gebäudekörper als reiner Holzbau in einer Brettsperrholzkonstruktion inklusive Dach aufgestellt. Die nach den Plänen der Architekten vorgefertigten Wandelemente wurden dabei zusammengefügt, sodass der Innenausbau direkt im Anschluss stattfinden konnte. Eine mit Kalksplittschüttung aufgefüllte Holzdecke mit zusätzlichen Steinwollplatten und Heizestrich sorgt für hervorragende Trittschalldämmung.



Erkennbar ist das Holzhaus im Innenraum am ehesten im Bereich des Treppenhauses. Dort ist ein Übergang vom Sichtbeton des Kellergeschosses zu den sichtbaren Holzwänden ganz bewusst dargestellt. Die auf dem Ziegeldach installierte Fotovoltaik- und Solaranlage unterstützt die Heizung, die auf der Basis von Holzpellets arbeitet. Dieses Zusammenwirken entspricht den Anforderungen an ein regeneratives und nachhaltiges Energiekonzept. Ferner sorgt ein Kaminofen im Wohnraum über die Wintermonate und die Zwischenzeiten für behagliche Wärme. Um den Niedrigenergiestandard zu erreichen, sind die knapp 45 Zentimeter starken Außenwände mit einer 18 Zentimeter messenden Isofloc-Schicht gefüllt. Auf der Außenseite wurde eine pigmentierte Lärchenholzfassade in Form einer senkrechten Holzlattung aufgebracht, die einer unschönen und ungleichmäßigen Verwitterung über Jahrzehnte standhält.



Der Außenbereich wurde in die Hände des erfahrenen Landschaftsarchitekten Thomas Gnädinger gegeben, der in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Hans Thoma eine geeignete Material- und Pflanzenauswahl getroffen hat. So wurden die Terrassenbereiche im Erdgeschoss leicht erhöht und praktisch schwebend ausgeführt. Die dabei verwendete Thermoesche als Belag setzt einen schönen Kontrast zu der Lärchenholzfassade und den Cortenstahl-Elementen. Diese finden Verwendung in der Umgrenzung von erhabenen Beeten und als Sichtschutz zwischen den beiden Wohneinheiten im Erdgeschoss.



Ein besonderer Blickfang an der Hauptterrasse ist das Wasserbecken, aber auch die Pflanzenauswahl schafft zu jeder Jahreszeit ein Gartenerlebnis. Um über das gesamte Jahr blühende Pflanzen leuchten zu lassen, wechseln sich Bereiche mit Stauden, Frühjahr- und Herbstblühern ab. Krokusse, Hortensien und Sommerflieder sorgen über viele Monate für Farbtupfer im Garten. Als Solitärgehölze dienen Zierkirschen und Felsenbirnen. Beide wachsen eher licht und verschatten deshalb auch weniger stark als andere Gehölze. Weitere Akzente setzen Chinaschilf, Kräuter und Stauden wie Lavendel; als Sichtschutz zum Nachbargebäude dient eine Bambushecke.



Der Außenbereich ist mit einer Muschelkalkmauer abgestützt. Auf diese Weise fügt sich das moderne Holzhaus harmonisch in die wunderschöne Landschaft der Höri ein.




Text/Fotos: Gerald Jarausch
www.mangold-thoma.de
www.gnaedinger-landschaftsarchitekten.de

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